Wie fühlt sich Politik an, wenn man sie nicht nur in den Medien verfolgt, sondern mittendrin ist? Diese Frage stellte sich der Kirchanschöringer Adrian Hillebrand während seines einmonatigen Praktikums im März bei der heimischen Bundestagsabgeordneten Dr. Bärbel Kofler. Schnell wurde ihm klar, dass der politische Alltag mit gängigen Klischees nur wenig zu tun hat.
Vier Wochen lang war der Journalistik-Student an der Universität Passau Teil des Betriebs im politischen Berlin. Dabei nahm er unter anderem am Praktikantenprogramm der SPD-Bundestagsfraktion teil und kam so mit sozialdemokratischen Politikerinnen und Politikern verschiedener Fachrichtungen in den Austausch. Gleichzeitig durfte er die Arbeit von Koflers Abgeordnetenbüro begleiten und einen Einblick davon gewinnen, wie im Hintergrund die organisatorischen Abläufe funktionieren, die politische Arbeit erst möglich machen.
Neben der klassischen Büroarbeit sammelte der 21-jährige vielfältige Eindrücke aus dem politischen Alltag. „Ich durfte bei vielem dabei sein, was in den vier Wochen anstand: Bei Terminen mit anderen Abgeordneten, bei Vorträgen für Schulklassen aus Traunstein und dem Berchtesgadener Land, bei Bundestagsdebatten auf der Besuchertribüne und den Pressestatements der Fraktionsvorsitzenden im Reichstag.“ Darüber hinaus verfolgte er entwicklungspolitische Gesprächskreise, Arbeitsgruppen und Veranstaltungen mit und unterstützte das Büro, indem er Inhalte und Hintergründe zu aktuellen Debatten aufbereitete.
Besonders eindrücklich waren für ihn die Momente hinter den Kulissen. So konnte er miterleben, wie sich SPD-Abgeordnete über Themen austauschen und Abstimmungen vorbereiten. „Intern im persönlichen Austausch ist es mit Floskeln und Herumdrucksen vorbei, dann wird Tacheles geredet und konzentriert am Voranbringen der Themen gearbeitet“, so Hillebrand.
Durch Koflers Tätigkeit als Parlamentarische Staatssekretärin erhielt er zudem Einblicke in die Arbeit des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung. Für den Praktikanten wurde schnell deutlich, wie viel Koordination hinter dieser Funktion steckt. Kofler bewältigt nicht nur den Spagat zwischen Wahlkreisarbeit und Regierungsverantwortung, sondern auch zwischen ihren Aufgaben als SPD-Abgeordnete und als Mitglied der Bundesregierung.
Was Hillebrand in jedem Fall aus dem Praktikum mitnimmt, ist der Fakt, dass Netzwerke in der Politik eine entscheidende Rolle spielen. „Ich habe bemerkt, dass man etwas im politischen Prozess erreichen kann, wenn man sich zusammenschließt und sich gemeinsam für ein Ziel einsetzt“, so Hillebrand. „Das erfordert Durchhaltevermögen und einen langen Atem, aber man kann zusammen viel erreichen und etwas bewegen.“
Die Frage, wie sich Politik mittendrin anfühlt, kann er heute klarer beantworten als zu Beginn seines Praktikums. Sie ist fordernd, schnelllebig und oft ein Balanceakt zwischen Wahlkreis und Weltpolitik, zwischen Termindruck und inhaltlicher Verantwortung.
„Ich konnte Politik hautnah miterleben. Das war eine einzigartige Erfahrung. Vielen Dank an Bärbel Kofler für die Möglichkeit des Praktikums“, so der Kirchanschöringer.
Text: Adrian Hillebrand